KI verändert Arbeit überall, aber jede Weltregion erzählt eine andere Geschichte darüber. Diese Seite zeigt, wie die EU, der deutschsprachige Raum, die USA, Ostasien und der Globale Süden das Thema sehen und regeln. Sie zeigt auch, was Menschen in verschiedenen Ländern befürchten.
Fünf Erzählungen und ein gemeinsamer Rahmen
Grob lassen sich fünf Erzählungen unterscheiden. Die EU behandelt KI in der Arbeitswelt vor allem als Frage von Rechten und Verfahren. Der deutschsprachige Raum setzt auf Weiterbildung und Sozialpartnerschaft. Die USA denken auf Bundesebene in Kategorien des Wettbewerbs. China sieht KI als Wachstums- und Beschäftigungsmotor unter staatlicher Beobachtung. Im Globalen Süden steht die digitale Kluft im Vordergrund, die Nutzen bremst, aber nicht vor Verdrängung schützt.
Diese Einteilung ist unsere Vereinfachung, keine offizielle Typologie. Auf globaler Ebene treffen sich die Erzählungen dennoch in einem Punkt: Internationale Organisationen erwarten derzeit eher einen Umbau von Berufen als ihren Wegfall. Ob das so bleibt, ist offen.
ILO: Umbau statt Ersatz
Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass rund jede vierte erwerbstätige Person weltweit in einem Beruf arbeitet, der in gewissem Maß generativer KI ausgesetzt ist. Die meisten Jobs dürften laut ILO eher verändert als überflüssig werden. Stärker exponiert sind inzwischen auch Medien- und Webberufe, weil KI Bilder, Stimmen und Videos erzeugen kann.
Ein Beratungsgremium des UN-Generalsekretärs legte im September 2024 den Bericht „Governing AI for Humanity“ mit sieben Empfehlungen vor. Als Folge richtete die Generalversammlung ein unabhängiges internationales Wissenschaftspanel zu KI und einen globalen Dialog zur KI-Governance ein. Arbeit ist auf der entsprechenden UN-Seite selbst kein eigenes Thema.
Papst Leo XIV. widmete seine erste Enzyklika „Magnifica Humanitas“ der KI und der Menschenwürde. Er unterzeichnete sie am 15. Mai 2026, dem 135. Jahrestag der Arbeiter-Enzyklika „Rerum Novarum“. Arbeit ist darin eng mit Identität verbunden. KI soll Beschäftigte unterstützen, statt sie zu entqualifizieren oder zu überwachen.
Europäische Union: Rechte, Verfahren und ein verschobener Zeitplan
Die EU stellt weniger die Frage, wie viele Jobs verschwinden, sondern wie KI-Entscheidungen über Menschen fair und überprüfbar bleiben. KI für Einstellung, Beförderung, Kündigung oder Leistungskontrolle gilt im AI Act als hochriskant. Die Pflichten dafür greifen nach einer Verschiebung aber erst ab 2. Dezember 2027.
Parallel wird über eigene Regeln für algorithmisches Management diskutiert. Das Parlament und die Gewerkschaften drängen darauf, die Arbeitgeberseite ist skeptisch. Die Kommission plant dafür einen „Quality Jobs Act“. Bei Redaktionsschluss (Oktober 2026) lag uns noch kein beschlossener Vorschlag vor.
AI Act: Hochrisiko-Pflichten erst ab Dezember 2027
Mit dem sogenannten AI-Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) wurden die Pflichten für eigenständige Hochrisiko-Anwendungen vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Dazu gehört KI im Beschäftigungsbereich. Sie bleibt aber als hochriskant eingestuft. Die meisten Transparenzpflichten, etwa der Hinweis, dass man mit einer KI interagiert, gelten weiterhin ab 2. August 2026.
EU-Parlament fordert Regeln für algorithmisches Management
Am 17. Dezember 2025 nahm das Europäische Parlament eine Entschließung zu Digitalisierung, KI und algorithmischem Management am Arbeitsplatz an, mit 451 zu 45 Stimmen bei 153 Enthaltungen. Sie verlangt Grenzen für rein algorithmische Einstellungsentscheidungen und ein Recht der Beschäftigten zu wissen, welche Daten erhoben werden. Daten über Gefühlszustände, private Gespräche und Freizeit sollen nicht verarbeitet werden dürfen.
Laut dem Wissenschaftlichen Dienst des EU-Parlaments steht der Quality Jobs Act für das vierte Quartal 2026 im Arbeitsprogramm der Kommission. Er soll den Einsatz von KI fördern, Beschäftigte vor Risiken des algorithmischen Managements schützen und das Zusammenspiel von AI Act und Datenschutz-Grundverordnung klären. Der Europäische Gewerkschaftsbund will einen Grundsatz „Mensch hat die Kontrolle“, der Arbeitgeberverband BusinessEurope warnt vor Überregulierung. Bereits beschlossen ist die Plattformarbeits-Richtlinie (EU) 2024/2831.
In einem offenen Brief vom 13. Oktober 2025 forderte der Europäische Gewerkschaftsbund (ETUC) eine eigene Richtlinie zu algorithmischem Management und KI bei der Arbeit. Zu den Forderungen gehören menschliche Aufsicht über alle KI-gestützten Entscheidungen, Mitsprache- und Verhandlungsrechte über Daten und Überwachung sowie bezahlte KI-Schulungen. Auch Verdrängung und Dequalifizierung sollen verhindert werden.
Im deutschsprachigen Raum wird KI vor allem als Qualifizierungsaufgabe gesehen. Der Arbeitsmarkt soll sich über Weiterbildung und Mitbestimmung anpassen. Ein vom Erwerb entkoppeltes Einkommen spielt in der offiziellen Politik kaum eine Rolle. Die Schweiz hat darüber sogar abgestimmt.
Für eine Website mit Wurzeln in Linz ist das ein interessanter Kontrast: Die Frage nach einer Gesellschaft mit deutlich weniger Erwerbsarbeit wird hier bisher kaum politisch gestellt.
AMS: keine Massenarbeitslosigkeit, aber großer Weiterbildungsbedarf
AMS-Chef Johannes Kopf erwartete im Juni 2023 durch KI keine Massenarbeitslosigkeit, aber sehr deutliche Auswirkungen. Am stärksten betroffen seien mittel und höher qualifizierte Beschäftigte mit Routineaufgaben, etwa in Büro, Textproduktion und Rechtsarbeit. Manche Jobs würden verschwinden, neue entstehen. Er sieht einen enormen Weiterbildungsbedarf.
Arbeiterkammer: KI-Kompetenz und Datenschutz für Beschäftigte
Die AK Wien begrüßt im Regierungsprogramm 2025 das Ziel vertrauenswürdiger und ethischer KI sowie mehr Mittel für KI-Aufsicht und Beschäftigtendatenschutz. Kritisch sieht sie unter anderem, dass das AMS-Budget 2026 laut AK noch 100 Millionen Euro unter jenem von 2024 liegt. Sie vermisst außerdem ein Recht auf Weiterbildung während der Arbeitszeit.
Österreichs KI-Strategie 2018: kein Grundeinkommen
Bei der Vorstellung ihrer KI-Ziele im November 2018 erklärte die damalige Bundesregierung, ein Grundeinkommen sei nicht Teil ihrer KI-Strategie. Auf Folgen für den Arbeitsmarkt wollte sie mit Bildungsmaßnahmen reagieren.
Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) konnten Maschinen oder Software 2022 im Schnitt bereits 55 Prozent der Kerntätigkeiten von Berufen erledigen, 14,5 Prozentpunkte mehr als 2013. Als wichtigster Treiber des jüngsten Anstiegs gilt KI. Die Werte beruhen auf Experteneinschätzungen zu Tätigkeiten. Ob generative KI schon voll erfasst ist, ist unklar. Technisch möglich heißt zudem nicht, dass Jobs tatsächlich wegfallen.
Schweiz: die bisher einzige nationale Abstimmung über ein Grundeinkommen
Über die Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ wurde am 5. Juni 2016 abgestimmt, sie wurde abgelehnt. Schon zuvor hatte der Nationalrat sie mit 157 zu 19 Stimmen bei 16 Enthaltungen verworfen, der Ständerat mit 40 zu 1 bei 3 Enthaltungen.
USA: Wettbewerb im Bund, Schutz über Länder und Gewerkschaften
In den USA steht auf Bundesebene das Rennen um technologische Führung im Vordergrund. Schutz für Beschäftigte kam bisher eher aus einzelnen Bundesstaaten. Genau diese Landesgesetze will die Regierung Trump nun zurückdrängen.
Gewerkschaften fordern deshalb vor allem Mitsprache in den Betrieben. Das ist das Gegenmodell zum horizontalen, rechtebasierten Ansatz der EU.
Präsidialdekret gegen Landesgesetze
Ein am 11. Dezember 2025 unterzeichnetes Dekret richtet im Justizministerium eine Taskforce ein, die KI-Gesetze der Bundesstaaten anfechten soll. Staaten mit „belastenden“ Regeln sollen bestimmte Fördermittel verlieren. Ausdrücklich genannt wird Colorados KI-Gesetz, das auch Diskriminierung bei Personalentscheidungen betrifft. Die Kanzlei Gibson Dunn erwartet kurzfristig nur begrenzte rechtliche Wirkung.
Der Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO startete am 15. Oktober 2025 eine Initiative zu KI. Sie will KI-Überwachung und ungerechte KI-gestützte Entlassungen begrenzen, verlangt menschliche Aufsicht über Personalentscheidungen und die Beteiligung von Beschäftigten an Entwicklung und Einführung. Dazu kommen Transparenz und Umschulung.
China, Japan und Südkorea: Motor, Maschinen, Rahmengesetz
China bindet KI ausdrücklich in seine Beschäftigungsstrategie ein und will die Folgen staatlich beobachten. Ostasien ist zugleich das Zentrum der Industrierobotik: Hier werden die meisten Roboter installiert, und hier ist die Roboterdichte am höchsten.
Südkorea hat seit Jänner 2026 ein eigenes KI-Rahmengesetz. Japans offizielle KI-Strategie konnten wir noch nicht an Originalquellen prüfen. Auffällig ist dort die geringe Sorge um den eigenen Job (siehe unten).
China: KI im Plan „Beschäftigung zuerst“
Der Staatsrat legte im Juni 2026 einen Beschäftigungsplan bis 2030 vor. Anders als der Vorgängerplan, der KI vor allem als Risiko sah, macht er KI zum Teil der Wirtschafts- und Beschäftigungsstrategie. Vorgesehen sind neue Berufe, ein Programm für Umschulung und Übergänge sowie ein System, das Jobschaffung und -verdrängung durch KI beobachtet. Ziel ist eine städtische Arbeitslosenquote unter 5,5 Prozent.
Mehr als die Hälfte der neuen Industrieroboter geht nach China
2024 wurden weltweit 542.000 Industrieroboter installiert. Rund 54 Prozent davon, 295.000 Stück, gingen nach China, ein Rekord. Es folgen Japan mit 44.500, die USA mit 34.200 und Südkorea mit 30.600 Einheiten. Deutschland lag bei knapp 27.000.
Auf 10.000 Beschäftigte in der Industrie kamen 2024 weltweit im Schnitt 132 Roboter. Südkorea führt mit 1.220, Deutschland liegt bei 449, Japan bei 446, die USA bei 307 und die EU bei 231. China kam auf 166, ein Plus von 17 Prozent. Für Österreich weist die Meldung keinen Wert aus.
Südkoreas Rahmengesetz zur Entwicklung von KI und zum Aufbau von Vertrauen gilt seit 22. Jänner 2026. Es richtet sich vor allem an Unternehmen, die KI anbieten. Arbeitgeber können erfasst sein, wenn KI Entscheidungen am Arbeitsplatz wesentlich beeinflusst. Die Durchsetzung erfolgt schrittweise und setzt zunächst auf Leitlinien.
Indien, Lateinamerika, Golfstaaten und eine Lücke namens Afrika
Im Globalen Süden trifft KI vor allem formelle, digital vernetzte Jobs: IT und ausgelagerte Bürodienste in Indien, Büroarbeit in Lateinamerika, Callcenter am Golf. Genau diese Jobs galten lange als Aufstiegsleiter. Gleichzeitig fehlt vielen Beschäftigten, die von KI profitieren könnten, ein verlässlicher Internetzugang.
Zu Afrika haben wir bisher keine Originalquelle geprüft. Wir lassen den Kontinent deshalb bewusst offen, statt Fakten zu behaupten, die wir nicht belegen können. Das heißt nicht, dass es dort keine Debatte gibt.
Indien: Talentoffensive statt Regulierung
Ein Fahrplan des Regierungs-Thinktanks NITI Aayog mit dem IT-Branchenverband NASSCOM und der Beratungsfirma BCG (Oktober 2025) schätzt, dass der Techsektor ohne Gegenmaßnahmen bis 2031 über 1,5 Millionen Jobs verlieren könnte. Mit rechtzeitigem Handeln könnten bis zu 4 Millionen Jobs entstehen. Vorgeschlagen werden eine „India AI Talent Mission“, KI-Kompetenz in der Bildung und Umschulung in großem Stil. Es handelt sich um Szenarien, nicht um Messwerte.
Laut einer Studie von ILO und Weltbank (2024) sind in Lateinamerika und der Karibik 26 bis 38 Prozent der Jobs generativer KI ausgesetzt. 8 bis 14 Prozent könnten produktiver werden, 2 bis 5 Prozent sind von voller Automatisierung bedroht. Bis zur Hälfte des Produktivitätspotenzials scheitert an der digitalen Kluft. Geringe Digitalisierung schützt dabei nicht vor Automatisierung.
Ein Papier von ILO und Weltbank vom März 2026 untersucht 135 Länder. In reichen Ländern sind mehr Jobs exponiert, vor allem Büro- und Fachberufe. In ärmeren Ländern sind gerade die gefährdeten Beschäftigten oft schon online, sodass Verluste schnell kommen können. Wer dagegen von KI profitieren könnte, hat häufig kein verlässliches Internet.
Saudi-Arabien schreibt seit 2021 vor, dass Kundenservice-Jobs im Fernbetrieb von Staatsangehörigen besetzt werden. Gerade solche Jobs sind KI stark ausgesetzt. Die saudische KI-Behörde SDAIA will eine Million Menschen in KI schulen, rund 300.000 waren laut Bericht eingeschrieben (Stand August 2025).
Die Afrikanische Union hat ihre Kontinentale KI-Strategie im Juli 2024 in Accra beschlossen. Sie sieht in KI eine Chance auf neue Jobs und Unternehmen, besonders für Frauen und Junge, nennt aber auch Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung als Risiko.
Zahlen zu den Folgen für Afrikas Arbeitsmärkte enthält die Strategie nicht. Sie hält fest, dass diese Effekte im afrikanischen Kontext noch kaum verstanden sind, und fordert mehr Daten und Forschung sowie Investitionen in digitale und KI-Kompetenzen junger Menschen.
Afrikanische Entwicklungsbank: bis zu 1 Billion Dollar Wachstum
Ein Bericht der Afrikanischen Entwicklungsbank (Dezember 2025) schätzt, dass ein breiter, inklusiver KI-Einsatz bis 2035 bis zu 1 Billion US-Dollar zusätzliches BIP bringen könnte, rund ein Drittel der heutigen Wirtschaftsleistung des Kontinents. Begründet wird das unter anderem mit der jungen Bevölkerung.
Konkrete Zahlen zu entstehenden oder wegfallenden Jobs nennt die Bank auf ihrer Berichtsseite nicht. Es handelt sich um ein Potenzial-Szenario, nicht um einen Messwert.
Afrika südlich der Sahara: ohne Strom keine KI-Dividende
Wie weit KI Arbeit produktiver machen kann, hängt an der Grundversorgung. Laut Weltbank (Weltentwicklungsbericht 2026, August 2026) fehlt in Afrika südlich der Sahara fast einem Drittel der ländlichen Schulen verlässlicher Strom, mehr als zwei Dritteln verlässliches Internet. Die Weltbank will mit Partnern bis 2030 300 Millionen Menschen in der Region mit Energie versorgen.
Die Sorge um den eigenen Job ist ungleich verteilt. Am größten ist sie in Schwellenländern Südostasiens, am kleinsten in den USA und Japan. Gleichzeitig sind Menschen in den USA gegenüber KI-Produkten am nervösesten. Die Europäer:innen sehen KI am Arbeitsplatz überwiegend positiv, wollen aber, dass sie sorgfältig gesteuert wird.
Umfragen messen Stimmungen, keine tatsächlichen Jobverluste. Sie zeigen aber, mit welchen Erwartungen Gesellschaften in den Wandel gehen.
Weltweit: ein gutes Drittel erwartet Ersatz
Im Ipsos AI Monitor 2025 (30 Länder) hielten es im Schnitt 35 Prozent für wahrscheinlich, dass KI ihren derzeitigen Job in fünf Jahren ersetzt. Am höchsten lag der Wert in Thailand (74 Prozent), Malaysia (63), Indonesien (51) und Singapur (50), niedrig in Japan (29) und am niedrigsten in den USA (26). Nervös wegen KI-Produkten waren im Schnitt 53 Prozent, in den USA 64 und in Japan 29 Prozent. Einzelne Länderwerte sind aus einer Grafik abgelesen.
In einer Pew-Umfrage unter US-Beschäftigten (Oktober 2024, veröffentlicht Februar 2025) waren 52 Prozent besorgt über die künftigen Folgen von KI am Arbeitsplatz, 36 Prozent hoffnungsvoll. 32 Prozent erwarteten für sich weniger Jobchancen, nur 6 Prozent mehr. Erst 16 Prozent erledigten einen Teil ihrer Arbeit mit KI.
Laut einer Eurobarometer-Umfrage (veröffentlicht Februar 2025) sehen über 60 Prozent der Europäer:innen Roboter und KI am Arbeitsplatz positiv, über 70 Prozent erwarten mehr Produktivität. 84 Prozent sagen, KI müsse am Arbeitsplatz sorgfältig gesteuert werden, um Privatsphäre und Transparenz zu schützen.