Die meisten Grundeinkommens-Versuche zahlen einer zufällig ausgewählten Gruppe eine Zeit lang Geld ohne Bedingungen und vergleichen sie mit einer Kontrollgruppe. Die große Sorge, Menschen würden dann aufhören zu arbeiten, bestätigt sich in den geprüften Studien aus reichen Ländern nicht: Die Effekte auf die Beschäftigung reichen von null bis leicht negativ, in einzelnen Fällen sind sie leicht positiv.
Deutlicher und einheitlicher ist ein anderes Ergebnis: Psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit verbessern sich in fast allen Versuchen. In ärmeren Ländern fließt das Geld vor allem in Kleinbetriebe, Ernährung und Grundbedarf.
Die Karten zeigen jeweils das Design, das Ergebnis für die Arbeit und das Ergebnis für das Wohlbefinden.
Finnland: 2.000 Arbeitslose, 2017–2018
Design: 2.000 zufällig ausgewählte Arbeitslose erhielten zwei Jahre lang 560 Euro pro Monat, steuerfrei und ohne Pflicht zur Arbeitssuche. Arbeit: im ersten Jahr kein Effekt, über den Messzeitraum etwa sechs Beschäftigungstage mehr; das zweite Jahr ist durch eine gleichzeitige Arbeitsmarktreform schwer zu deuten. Wohlbefinden: höhere Lebenszufriedenheit, weniger psychische Belastung, Depression und Einsamkeit, mehr Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen. Einschränkung: Bei der Befragung antwortete nur knapp ein Viertel.
Quelle: Finnisches Sozialministerium (STM), 2020
Deutschland: Pilotprojekt Grundeinkommen, 2021–2024
Design: 107 Personen zwischen 21 und 40 Jahren erhielten drei Jahre lang 1.200 Euro pro Monat ohne Bedingungen, verglichen mit einer Kontrollgruppe von 1.580 Personen; die Studie war vorab registriert. Arbeit: In beiden Gruppen arbeiteten rund 90 Prozent weiterhin etwa 40 Stunden pro Woche, ein Rückzug vom Arbeitsmarkt war nicht messbar; etwa ein Drittel des Geldes wurde gespart. Wohlbefinden: deutlich bessere psychische Gesundheit, mehr Sinnerleben, höhere Lebenszufriedenheit und mehr Zeit mit Familie und Freundeskreis – ohne Gewöhnungseffekt über die Befragungswellen.
Quelle: DIW Wochenbericht 15/2025
USA: OpenResearch-Studie, Ergebnisse 2024
Design: 1.000 US-Dollar pro Monat über drei Jahre, die Kontrollgruppe erhielt 50 Dollar pro Monat; mitfinanziert unter anderem von Sam Altman. Arbeit: Die Beschäftigung lag im zweiten und dritten Jahr um rund 2 Prozentpunkte niedriger, die Arbeitszeit um etwa 1,3 Stunden pro Woche; Empfänger:innen suchten wählerischer nach Jobs, vor allem Jüngere und Alleinerziehende. Wohlbefinden: auf der geprüften Ergebnisseite zur Beschäftigung nicht ausgewiesen; laut der AEI-Übersicht (siehe nächste Karte) fand dieser größte Pilot kaum signifikante Gesundheitseffekte.
Quelle: OpenResearch, Key Findings: Employment, 2024
USA: 122 Pilotprojekte im Überblick
Design: Eine Auswertung der US-Denkfabrik American Enterprise Institute (AEI) (Februar 2026) erfasst 122 Pilotprojekte zu garantiertem Einkommen aus den Jahren 2017–2025, davon 35 randomisierte Studien. Arbeit: Im Mittel ist der Beschäftigungseffekt nahe null; die vier größten Projekte zeigen im Schnitt rund 3 Prozentpunkte weniger Beschäftigung. Wohlbefinden: Für den größten Pilot werden nur wenige signifikante Gesundheitseffekte berichtet. Die Autoren weisen darauf hin, dass viele Teilnehmende ausstiegen und die meisten Projekte während oder nach Corona liefen.
Quelle: Corinth & Mayhew, AEI, 2026
Kenia: Grundeinkommen für ganze Dörfer, seit 2018
Design: In 295 Dörfern mit rund 14.500 Haushalten testet die Organisation GiveDirectly mehrere Varianten: etwa 0,75 US-Dollar pro Erwachsenem und Tag für zwölf Jahre, denselben Betrag für zwei Jahre, eine Einmalzahlung von rund 500 Dollar, dazu Kontrolldörfer. Wohlbefinden: In der Corona-Phase 2020 gab es in den Gruppen mit Geld weniger Hunger und weniger Krankheit, in den monatlich zahlenden Gruppen auch weniger Depression.
Quelle: J-PAL, Evaluationszusammenfassung
Kenia: Was das Geld mit der Arbeit machte
Arbeit: Laut einem Forschungspapier von 2023 blieb das gesamte Arbeitsangebot gleich, verschob sich aber von Lohnarbeit hin zu Selbstständigkeit. Das langfristige Grundeinkommen brachte mehr Betriebe und höhere Umsätze, vor allem im Handel. Die Einmalzahlung wirkte wirtschaftlich ähnlich stark oder stärker, die nur zweijährige Monatszahlung deutlich schwächer.
Quelle: Banerjee u. a., NBER-Konferenzpapier, 2023
Alaska: dauerhafte Dividende seit 1982
Design: Alaska zahlt allen Einwohner:innen seit 1982 jährlich eine Dividende aus einem staatlichen Fonds – universell und dauerhaft, also anders als ein befristeter Pilot. Arbeit: Eine Studie findet keinen Effekt auf die Gesamtbeschäftigung, aber rund 17 Prozent mehr Teilzeitarbeit; die Autoren erklären das mit zusätzlicher lokaler Nachfrage. Wohlbefinden: in dieser Studie nicht untersucht.
Quelle: Jones & Marinescu, NBER Working Paper 24312
Iran: landesweite Geldzahlung seit 2010/2011
Design: Im Zuge einer Reform der Energiesubventionen zahlte Iran allen Haushalten bedingungslos monatlich Geld in Höhe von rund 29 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens. Arbeit: Eine Studie von 2017 findet keine Hinweise auf weniger Arbeit, außer bei Jugendlichen; Beschäftigte im Dienstleistungssektor arbeiteten sogar mehr. Wohlbefinden: in dieser Studie nicht untersucht.
Quelle: Salehi-Isfahani & Mostafavi-Dehzooei, ERF, 2017
Barcelona: B-MINCOME, 2017–2019
Design: 1.000 Haushalte in ärmeren Vierteln erhielten eine Aufstockung ihres Einkommens, teils mit, teils ohne Bedingungen und kombiniert mit Angeboten wie Weiterbildung; 383 Haushalte dienten als Kontrollgruppe. Arbeit: Nach dem ersten Jahr war die Wahrscheinlichkeit, zu arbeiten, um rund 8,6 Prozent niedriger, vor allem in den Gruppen mit Bedingungen. Wohlbefinden: weniger schwere materielle Not, seltener hungrig zu Bett, geringeres Risiko psychischer Erkrankung, Lebenszufriedenheit von 5,0 auf 6,5. Die Ergebnisse sind vorläufig.
Quelle: Ajuntament de Barcelona, Ergebnisbericht
Wales: Grundeinkommen für junge Menschen aus Heimen, seit 2022
Design: Junge Menschen, die 2022/23 mit 18 Jahren aus staatlicher Betreuung entlassen wurden, erhalten zwei Jahre lang 1.600 Pfund brutto pro Monat; 644 Personen nehmen teil. Arbeit: gemischt – manche investierten in Ausbildung, andere verspürten weniger Druck zu arbeiten. Wohlbefinden: Während der Zahlungen mehr Sicherheit und Selbstbestimmung; nach dem Ende fiel vielen der Übergang schwer, Ersparnisse waren schnell aufgebraucht. Zahlen und Kosten-Nutzen-Rechnung folgen erst 2027.
Quelle: Welsh Government, Jahresbericht 2025–2026
Irland: Grundeinkommen für Kunstschaffende
Design: Das Pilotprojekt „Basic Income for the Arts“ endete im Februar 2026. Laut Budget 2026 plant die Regierung ein Nachfolgemodell mit dem Ziel, ein dauerhaftes Grundeinkommen für Kunstschaffende zu verankern; Bewerbungen ab der ersten Jahreshälfte 2026, vorbehaltlich eines Regierungsbeschlusses. Arbeit und Wohlbefinden: Die offizielle Auswertung wurde für diese Seite nicht geprüft.
Quelle: Irische Regierung, Budget 2026